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Ligaportal-Interview! Mit Coach Eric Orie: „Bin kein Wunderwuzzi“

Er ist ein Macher, ein Motivator, ein Kämpfer: Eric Orie, der als Interimstrainer den vor Wochen nach elf Niederlagen en suite in der ADMIRAL 2.Liga auf der „Intensivstation“ liegenden, abstiegsbedrohten Mohren FC Dornbirn wiederbelebte und in diesen Frühjahrswochen das zarte Pflänzchen Klassenerhalt-Hoffnung aufkeimen lässt. Was macht den 56-jährigen Niederländer, etatmäßig Sportdirektor bei den Vorarlbergern und im Grunde genommen „Mann für alle Fälle“ bei den Rothosen, aus? Ligaportal sprach mit dem „Messias“ der Vorarlberger im „Give-me-five“-Interview (fünf Fragen = fünf Antworten)

„Haben uns auf paar Basics geeinigt und neues Teamgeistgefühl entwickelt“

LIGAPORTALHallo Eric. Zuerst beim FC Dornbirn der Trainer-Trubel, dann zum bereits dritten Mal nach 2016/17 und 2021/22 die Übernahme von dir. Zuvor elf Saison-Spiele in Folge verloren, dann kommst du, holst als Interimstrainer drei Dreier in Folge. So viele wie zuvor in 19 Spielen. Dazu stolze 9:1-Tore. Bist du ein Wunderwuzzi, hast Hand aufgelegt oder was hast du gemacht, dass mit dir die Mannschaft von Sieg zu Sieg eilt und es ja fast schon den Kapfenbergern im Vorjahr nachmacht?

Eric Orie: Wunderwuzzi würde ich jetzt nicht sagen. Fakt ist aber schon, dass ich die Mannschaft sehr gut kenne. Ich habe ja auch die Spieler alle geholt und da haben wir gewisse Gedanken gehabt, warum sie geholt wurden. Ich habe schon gewusst, was sie können und was nicht. 

Was wir gemacht haben, ist, dass wir uns auf ein paar Basics geeinigt und ein neues Teamgeistgefühl entwickelt haben, welches jetzt sehr, sehr stark ist. Ich habe dabei sehr gute Helfer. Von Murad Gerdi als Co-Trainer, Drago Marceta als Tormanntrainer bis Jakob Loretz als Athletiktrainer. Die helfen unglaublich gut. Wir haben dann gleich im Derby ein gutes Resultat geholt (Anm.: 4:1-Sieg in Bregenz). Das ist natürlich das beste Teambuilding. Von daher haben wir die Mission Impossible gut gestartet. Und jetzt hoffen wir, dass wir das Possible machen können.

Zur letztjährigen Serie von Kapfenberg. Noch haben wir nicht die Resultate in Summe geholt wie sie in der Vorsaison, weil Kapfenberg hat es damals tatsächlich geschafft, um sportlich in der Liga zu bleiben. Da haben wir noch einen langen Weg vor uns, den wir aber Schritt für Schritt weiter gehen. Wir hoffen natürlich, dass wir auch so ein Happyend haben werden wie Kapfenberg. Dann wären wir alle zufrieden. 

„Die Trainer haben immer freie Hand“

LIGAPORTALDu warst vorher auch schon nah dran an der Mannschaft in deiner Funktion als Sportdirektor, hast die Spieler verpflichtet. Wieso hat das dann bei den beiden Trainern in dieser Saison vor dir nicht funktioniert?

Eric Orie: Das ist schwierig zu sagen. Thomas Janeschitz war letztes Jahr schon hier und hat seine Linie weiter durchgezogen. Die Trainer haben immer freie Hand, wie sie arbeiten wollen. Da wird nicht von anderer Seite reingeredet. Ich habe aber immer auch ein offenes Ort für jeden. 

Bei Roman Ellensohn ist die Trennung überraschend gekommen (Anm.: nach nur drei Spielen im Frühjahr). Das habe ich so schnell nicht erwartet. Auch da hat jeder seinen eigenen Stil und ich denke, dass da der Unterschied liegt. Ob das dann gleich so funktioniert oder nicht. Aber im Endeffekt wollen wir jetzt in die Zukunft schauen und nicht die Arbeit von den vorgehenden Trainern beurteilen. Weil wir das jetzt eh nicht mehr ändern können. Wir schauen nach vorne. 

„Die Vienna hat meinen größten Respekt und großes Potenzial“

LIGAPORTALMorgen kommt die Vienna an die Birkenwiese. Auch dort ist mit Mehmet Sütcü ein Interimstrainer auf der Kommandobrücke, der bei seinem Heimdebüt in der vergangenen Runde mit den Blau-Gelben den SKN St. Pölten mit 7:3 von der Hohen Warte geschossen hat und dank Vierfach-Torschütze Kelvin Boateng schon sensationell mit 5:0 zur Pause vorn lag. Die Döblinger kommen also mit breiter Brust, im Hinspiel bei ihnen habt ihr ein 0:0 errungen. Wie siehst du die Perspektive für morgen und wie schaut der Matchplan aus?

Eric Orie: Den Matchplan behalte ich natürlich für mich. Das werden wir mit der Mannschaft und dem Trainerteam noch durchsprechen und dann den Spielern morgen bekanntgeben. Natürlich sind wir die ganze Woche schon damit beschäftigt, uns auf die Vienna vorzubereiten. 

Die Vienna hat meinen größten Respekt. Ich kenne viele Leute dort. Mit dem neuen Trainer haben sie jetzt daheim ein Riesenspiel gemacht. Da können wir nur Respekt haben. Natürlich auch mit ihrer Offensive, wenn dann sogar noch ein Ochs oder Peham auf der Bank sind. Die Mannschaft ist keine Unbekannte, wir haben schon öfters gegeneinander gespielt in den letzten Jahren. Die Vienna hat sowieso ein großes Potenzial. Ich denke auch, dass sie nächstes Jahr, wenn sie von Anfang an gut mitspielen, sicher auch ein Wörtchen oben mitspielen werden.

Mit Anes Omerovic ist dort ein ehemaliger Schützling von mir. Wir verstehen uns sehr gut, auch mit seiner Familie. Wir wohnen nicht weit voneinander weg. Darum habe ich die Vienna auch immer verfolgt. Das ändert aber nichts an unserer Situation. Wir haben Respekt, aber wir wissen auch selbst, was wir für Stärken haben. Wir werden das Spiel so angehen wie jedes andere Spiel auch. Ich hoffe, dass wir die Stärke der Vienna in den Griff bekommen und natürlich auch unsere eigene Stärke ausspielen können.

„Wir lassen uns auch nicht treiben“

LIGAPORTALIhr klammert euch mit Vehemenz an den letzten Strohhalm, habt eine Siegesserie gestartet – dein Punkteschnitt von 3,0 sucht seinesgleichen. Wie siehst du die Klassenerhalt-Konstellation acht Runden vor Saisonende für den FC Dornbirn bis zum rettenden Ufer? Ihr könnt am Wochenende den Druck auf den SV Stripfing erhöhen, bevor ihr bei ihnen ja dann am darauffolgenden Samstag gastiert. Das kann bei der Drei-Punkte-Regel alles schnell gehen auf dem grünen Rasen. Oder vlt. passiert ja was am „grünen Tisch“, dass der Aufsteiger womöglich keine Lizenz für die nächste 2. Liga-Saison erhält? 

Eric Orie: Was am grünen Tisch passiert besprechen wir nicht. Das kostet nur Enerige. Das kann ich sowieso nicht beeinflussen. Wir konzentrieren uns auf das Sportliche. Und auch da machen wir es einfach. Wir setzen einen Schritt vor den anderen und sind auf das nächste Spiel fokussiert. Das ist Freitag die Vienna. Danach schauen wir, was auf den anderen Plätzen passiert. Den Fehler wollen wir nicht machen, weil es nichts nutzt, zu schauen was auf anderen Plätzen passiert, wenn wir selber nicht bei uns das Maximale herausholen. 

Wir lassen uns auch nicht treiben, weil wir können auch ein gutes Spiel gegen die Vienna machen und nicht gewinnen. Dann ist trotzdem nicht alles verloren. Weil es kann, wie du sagst, im Fußball schnell gehen. Es sind noch acht Runden und die wollen wir so erfolgreich wie möglich spielen. Fakt ist, wenn die direkten Duelle sind, ist das natürlich ein kleines Finale. Das war zuletzt auch so in Amstetten. Da haben wir uns gut aus der Affäre gezogen. 

Ich denke schon, dass es machbar ist. Die Mannschaft glaubt an sich. Wir alle hier im Verein glauben, dass wir das sportlich noch schaffen können. Aber wir müssen fokussiert bleiben und immer nur auf das nächste Spiel schauen.

LIGAPORTALWie weit plant ihr zweigleisig und wie sehen persönlich deine Pläne und Ziele aus? Du hast längst „Wurzeln geschlagen“ in Vorarlberg. Würdest du dir auch die Regionalliga mit dem FC Dornbirn antun und wie schaut es mit der Trainerfinding aus?

Eric Orie: Ich bin schon am Planen bzw. wir schauen erstmal, welche Ergebnisse von der Bundesliga kommen. Wie viele Lizenzen da sein werden. Dann kann man das nochmal etwas besser einkreisen. Im Endeffekt muss der Verein dann auch einen Auftrag erteilen, wie das in der jeweiligen Liga weitergehen soll. Das kann die Regionalliga sein oder auch die 2. Liga.

Fakt ist, dass wir dann sicher viele Wechsel haben werden. Aber es ist auch so, dass wir schon viele Vorarlberger hier im Verein unter Vertrag haben. Dann werden wir reden müssen, ob sie auch in der Regionalliga das Projekt nochmal angehen würden.

Mein persönlicher Plan ist, dass ich an Dornbirn gebunden bin. Ich bin auch gern hier. Es ist aber nicht so, dass ich mich nicht verändern könnte. Weil ich war schon zwei Mal im Ausland. Beim 1. FC Nürnberg und in Athen bei Atromitos. Mein Wunsch ist es natürlich mit dem FC Dornbirn in der Liga zu bleiben und dann abzuwarten, ob der Verein auch mit mir verlängern will. Das sind alles Sachen, die sicher in den nächsten ein, zwei, drei Wochen besprochen werden sollen. Dann wird es sich auch herauskristallisieren, ob ich wieder in meinen alten Job zurückkehre, was angedacht ist. 

Mit der Trainerfrage für die nächste Saison habe ich mich bisher noch nicht auseinandergesetzt. Wir im Verein wollen uns erstmal die paar Wochen die Zeit nehmen, in welche Richtung und was für eine Tendenz es geht. Erst dann können wir intern entscheiden, wie es laufen soll. Dann kann ich mich auf die Suche begeben.
LIGAPORTALIch fand, das war ein offenes Gespräch. Danke und viel Erfolg.

Wissenswertes über Eric Orie in komprimierter Form

Der am 25. Januar 1968 in Utrecht geborene Niederländer begann seine aktive Karriere in seiner Heimat beim VVV-Venlo und dem Elinkwijk Utrecht. 1993 folgte dann der Wechsel nach Österreich zu FK Austria Wien, wo der Mittelfeldspieler 15 Mal für die Veilchen auflief und acht Treffer erzielte. Über VfB Mödling und VSE St. Pölten führte der Weg nach England zum FC Blackpool, danach zu Gela Calcio nach Italien. Später im „Karriere-Herbst“ die Rückkehr nach Rot-Weiß-Rot zu ASK Kottingbrunn und 1998 die finale Station zum FC Lustenau 07.

2017 verschlug es Eric Alexander Orie als Co-Trainer vom Österreicher Damir Canadi nach Griechenland zu Atromitos Athen. Zweimal erreichte man Rang 4 im dortigen Oberhaus. Zur Saison 2019/20 ging er zusammen mit Canadi in die 2. Bundesliga zum Absteiger 1. FC Nürnberg, wo man Anfang November aufgrund ausbleibender Erfolge freigestellt wurde. Hernach ging es im Sommer 2021 retour zum FC Dornbirn und seither zählt er zum „Inventar“ der Rothosen.

Zu seinen Trainererfolgen zählen zwei Aufstiege mit dem FC Lustenau 07 und drei Regionalliga-Titel.

Text: FC Dornbirn 1913 und GEPA-ADMIRAL

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